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| Aussicht aus unserem Kleinbus |
Potosi - Stadt des Silbers
13.10, 5:45 Uhr, Abfahrt aus Sucre. Auf dem Weg, der uns dem Himmmel über 1.300 Meter näher bringt, erhalten wir nicht nur die Möglichkeit, die imposanten und buntschillernden Bergrücken der Anden zu betrachten, sondern erhaschen zum ersten Mal Blicke auf das "Altiplano" (Hochebene zwischen den beiden Gebirgszügen der Anden), auf dem bei ca. 3400 Metern ü.n.N. Kartoffeln, Getreide und Hopfen angebaut werden.
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| Die weitläufigen Äcker des "Altiplano" |
8:45 Uhr - Ankunft in der mit circa 4.100 Metern ü.n.N. höchstgelegenen Stadt der Welt, Potosi, am Fuße des "Cerro Rico" (reicher Berg, 4600 Meter ü.n.N.). Der Berg erzählt eine lange Geschichte des Bergbaus, die ihren Beginn im 15. Jahrhundert nahm, als die Inka entdeckten, wie man mithilfe von Feuer aus dem stark silberhaltigen Gestein des "Cerro Rico" Silber gewinnt. Die spanischen Kolonialherren begannen mit der systematischen Ausbeutung der Silbervorkommen und gründeten zu diesem Zweck die Stadt Potosi, die aufgrund der unwirtlichen Gegend komplett auf den Import lebensnotwendiger Güter angewiesen war. Die bolivianischen Zwangsarbeiter mussten unter unmenschlichen Bedingungen und höchster Gefahr das Gestein aus der Bergspitze befördern, wo der Silbergehalt besonders hoch ist. Dies war den Bergleuten nur durch den exzessiven Konsum von Kokablättern möglich, welcher Müdigkeit, Ermattung und Schmerz unterdrückt.
Das blutige Silber machte Potosi zeitweise zur reichsten Stadt der Welt, welche Spaniens gesamte Silbermünzen (mit anfangs 96%-tigem Silberanteil) prägte und somit die Kriege Spaniens in Europa finanzierte. Die Geschichte der Stadt von der Münzprägung bis zur ersten Eisenbahn lässt sich in der "Casa de Moneda" (Haus der Münzen) - dem vollständig erhaltenen Haus der Münzprägung - verfolgen, in dem noch die originalen Werkzeuge der einzelnen Stationen der Münzprägung erhalten sind. Nach dem Unabhängigkeitskrieg 1825 wurden in der "Casa de Moneda" die ersten Münzen Boliviens geprägt.
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| Casa de la Moneda: Der ehemalige Saal des Prefekten |
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| Stark symbolisches Bild des "Cerro Rico" |
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| Die erste in Potosi geprägte Silbermünze |
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| Die Matrize für eine grosse Silbermedaille |
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| Die originalen Maschinen der Münzprägung |

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| Angetrieben von Maultieren, die durchschnittlich nach 3 Wochen starben |
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| Originalpresse nach Leonardo Da Vinci |
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| Silberschmelze |
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| "Hochsicherheitskiste" zur Aufbewahrung der Münzen |
Auch heute ist Potosi vom Bergbau dominiert und abhängig: 40.000 der 220.000 Einwohner Arbeiten in den über 150 Mienensystemen des "Cerro Rico", heutzutage zwar zumeist mit Dynamit (das jederman für 1,70€ pro Stange auf dem Bergbaumarkt kaufen kann), allerdings noch immer mit Kokablättern und unter hohem Risiko in den claustrophobisch engen Gängen der Minen, durch welche die Dynamitexplosionen regelmäßig Druckwellen jagen und die teilweise von giftigen Dampfschwaden durchzogen werden. Der Silbergehalt des Gesteins liegt heute jedoch nur noch bei ein oder zwei Prozent, da die Arbeiter nicht mehr in den ertragreicheren Mienen der Bergspitze arbeiten, die durch die wortwörtliche Durchlöcherung, massiv einsturzgefährdet ist - dennoch befinden sich schätzungsweise von den ursprünglich 300.000 Tonnen Silber noch 230.000 im "Cerro Rico", die unter anderem mit Kupfer, Zink und Cobalt gemischt sind.
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| In voller Montur für die Mienenbesichtigung |
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| Auf dem "Mercado de los minderos" (Bergarbeitermarkt) |
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| Dynamit, Lunte und Explosionsverstärker sind hier für ca. 1,70€ für jedermann erhältlich |
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| Unser Guide bei der symbolischen Verkostung eines Cocablattes |
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| Abbau mit Loren |
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| Der "Cerro Rico" |
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| Blick auf die Barracken der Arbeiter |
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| Geschenke für die Mienenarbeiter |
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| Schrägeinstieg in eines der Mienensysteme |
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| Trockenheit und Staub sind ständige Begleiter in den Mienen |
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| Ein "Tio" (Gott der Mienen), ihm werden regelmässig Opfer dargebracht |
Ein weiterer Höhepunkt rund um den "Cerro Rico" sind die natürlichen Thermalquellen, deren Wasser durch den Zusammenprall von unterirdischen Flüssen mit durch Magma erwärmtem Gestein erhitzt werden. Besonders die Inka schätzten die heilende Wirkung der Thermalquellen bei Rheuma und Atemwegsbeschwerden und reisten darum hunderte von Kilometern nach Potosi.
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| Die Thermalquelle "Tarapaia" |
Der Stadtkern Potosis zeugt mit seiner hohen Kirchendichte und den Prachtbauten von dem ehemaligen Reichtum der Stadt. Die neuen Stadtviertel der schnell wachsenden Stadt (aufgrund stark steigender Silber- udn Metallpreise) ähneln allerdings stark den peripheren Stadtvierteln Sucres und sind von streunenden Tieren, Müll und Armut geprägt.
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| Kirche im Stadtkern |
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| Der Hauptplatz von Potosi |
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| Ausblick auf den "Reichen Berg" |
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