Montag, 7. Januar 2013

Frohe Weihnachten - Feliz Navidad

Frohe Weihnachten - Feliz Navidad

Die Adventszeit begann fuer mich dieses Jahr mit einer äußerst frohen Botschaft: Meine Tante Karin hat bei der Feier ihres 40. Geburtstags auf sämtliche Geschenke verzichtet und stattdessen für meine beiden Projekte um eine Spende gebeten. Dieses selbstlose Geschenk hat es mir ermöglicht, zwei Adventskalender zu basteln; Adventskalender gefüllt mit Überraschungen wie Obst, Süßigkeiten, dem Basteln von Weihnachtsdekoration, dem gemeinsamen Backen von Plätzchen und Christstollen, Besuchen im Schwimmbad, Ausflügen auf den Spielplatz, dem Besuch vom Nikolaus, dem gemeinsamen Lesen von Weihnachtsgeschichten etc. Dank der Adventskalender war die Adventszeit für mich durch das ganzwöchige Miteinander mit den Jungs geprägt (wobei es in der Freizeit galb, die Überraschungen vorzubereiten): Ein zwar bei Zeiten recht anstrengendes, allerdings sehr intensives und mit diversen Freuden verbundenes Erlebnis.
Sockenadventskalender mit meinen Grossen
 
Der Adventskalender von meinen Kleinen

Der 24. Dezember wird hier zwar auch als "Heilig Abend" ("noche buena") gefeiert, die bei den Kinder allzu beliebte Bescherung findet allerdings in der Regel am 25. statt. Bolivianischen Traditionen folgend habe ich deshalb am 24. mit meiner Familie die Abendmesse besucht - in Begleitung eines Jesuskindes aus Ton, eines aus Glas und eines aus Salz - und danach "Picana" gegessen (das gewichtige bolivianische Weihnachtsgericht, bestehend aus Schweine-, Rinder-, Hühner- und Lammfleisch, Maiskolben und einer Soße auf Weinbasis). Am 25. begleiteten mich zwei große Jutesäcke prallvoll gefüllt mit Geschenken, ein weißer Schnurrbart und eine rote Zipfelmütze auf dem Weg zu meinen Jungs. Und so folgte auf den gemeinsamen Besuch der Morgenmesse (natürlich auch mit Jesuskind) eine ungewöhnlich reiche Bescherung bestehend aus einigen selbstgebackenen Plätzchen, einem Buch und einem paar sogenannter "Crooks" für jeden. Obwohl es einige Schuhe umzutauschen galt, war die Freude meiner Jungs noch bei weitem größer als bei den vorigen Überraschungen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön von meinen Jungs und mir für eine unvergessliche Weihnachtszeit and dich, liebe Tante Karin.


Die Krippe


Im Rückblick definiert sich die Weihnachtszeit hier in Bolivien für mich zwar weit weniger durch eine allgegenwärtige, oft materialistisch geprägte Weihnachtseuphorie (Weihnachtsmärkte, aufwändige Dekoration, ab dem Herbst in Supermärkten erhältliche Weihnachtleckereien, "Geschenkestress" etc.) dafür aber sehr wohl durch ein starkes Besinnen auf christliche Werte (bedingt durch die zentrale Stellung der katholische Kirche und der Religion im allgemeinen in Bolivien) und einen Prozess der Selbstreflexion - unter dem Strich erfrischend und erfreulich anders.

Neujahr läuft hier abgesehen von dem obligatorischen Kirchgang nicht sonderlich anders ab als in Deutschland; sprich Anstoßen um 12 Uhr, Feuerwerk (allerdings deutlich gemäßigter), viel Essen, teure Feiern, bis Zum Mittag geöffnete Bars und Diskotheken, am Morgen Schnapsleichen in feinen Anzügen in der Straße. Allerdings gibt es hier einige interessante Bräuche rund um Silvester, von denen ich die bemerkenswertesten im Folgenden kurz vorstelle:

1. Das Tragen von Unterwäsche in bestimmten Farben sorgt für das Glück in der Liebe (rot), füllt den Geldbeutel (grün) oder unterstützt die innere Reinheit (weiß) - dieser Trick wirkt leider nur bei Frauen.
2. Das Hinaufsteigen von zwölf Stufen beginnend ab zwölf Uhr beim synchronen Verzehr von zwölf Weintraube lässt die dabei wohl bedachten zwölf Wünsche für das kommende Jahr in Erfüllung gehen.
3. Das Packen eines Koffers, die darauf folgende Verabschiedung von der Familie und das Laufen mit dem selbigen um den Häuserblock begünstigen Reisen im kommenden Jahr ungemein.


Erster Schritt auf dem Weg zu eienem Weihnachtskranz aus Zeiungspapier


Nach der Bemalung folgt die individuelle Dekoration
Ein fast fertiges Exemplar

Backen  von Cuñapes (Käsebrötchen)

Überraschung: Mango



Basteln von Mensch-ärger-dich-nicht

Und eine ewige Partie mit 10 Spielern


Basteln von Weihnachtsdekoration für die Zimmer der Jungs



Samstag, 24. November 2012

La Paz - Stadt in den Wolken



La Paz - Stadt in den Wolken

28.10, 6 Uhr - Zu Gast im Bus in "El Alto", der Trabantenstadt von La Paz mit fast einer Millionen Einwohnern: Die aus dem dichten Nebel des Morgens auftauchenden Hänge des Bergkessels sind mit der Schräge abgetrotzten Häusern überzogen. In der Ferne sind die schneebedeckten Gipfel der Andenriesen (ca. 6800 Meter ü.n.N.) zu sehen, welche die im Kessel wabernden Wolken überragen.

Ausblick über La Paz aus El Alto





La Paz ist die Botschaftsstadt Boliviens

Den Gegenpol zu diesem scheinbar der romantischen Sehnsucht nach Ferne und Naturverbundenheit entsprungenen Kulisse bildet das rege Treiben der Pendler von El Alto, die jeden Morgen bereits um 5 Uhr in das tiefer im Tal gelegene La Paz aufbrechen - der erste Vorbote eines Charakters, wie er dem Sucres kaum diametraler gegenüberstehen könnte. Hochhäuser, das ständige Gebrüll der Taxifahrer in den Straßen, allgegenwärtiges Angerempel auf der Straße, 4000 Meter ü.n.N. - höchster Regierungssitz der Welt, Verkehrsinfarkt, Straßenkinder bei Nacht, überall das Geräusch der Hupen - auf deren Frequenz die Einwohner dem Verhalten nach zu urteilen schon lange taub sind, Touristenmeilen, Drogenabhängige und Schnapsleichen zur Geisterstunde, ein Hostel voller Israelis, beinahe europäischer Supermarkt, schön-schreckliches Botschaftsviertel, offener Abwasserkanal mitten in der Stadt, Haus des Präsidenten (Evo Morales) - dessen Bürgersteig für Normalsterbliche nicht zum Betreten freigegeben ist, Cocamuseum, Tauben soweit das Auge reicht, perfekt erhaltene Straßenzüge aus der Kolonialzeit, Regierungsgebäude an vielen Ecken, ein Gottesdienst mit Fernseh-, Radio- und Internetübertragung. La Paz ist im Vergleich zum beschaulich provinziellen Sucre geschäftiger, lauter, dreckiger, internationaler und vor allem lebendiger. Die Beschreibung der restlichen Eindrücke aus drei Tagen La Paz überlasse ich an dieser Stelle den Bildern.




An die Plaza Murillo grenzen das Parlament und der Praesidentenpalast an

Taubenfüttern gehört hier zum guten Ton und ist beliebter Zeitvertreib
Schuhputzer gehören auch in La Paz zum Bild der Stadt
Das Parlament
Eingang zur Kathedrale "San Franzisco"
Diese unter Denkmalschutz gestellte Strasse ist komplett aus der Kolonialzeit erhalten
Für Einwohner Sucres ein völlig ungewohnter Anblick: Hochhäuser
Der umlagerte Eingang zu unserem Hostel
Über zehn Fastfoodstände mit genau dem selben Angebot
Lamaföten und Pomaden im Naturheilergeschäft







Der Januskopf Boliviens - Die Pampa

28.10, 12:30 Uhr - Abfahrt La Paz mit Ziel Rurrenabaque. Die 18-stündige Busfahrt beginnt auf ca. 4000 Metern ü.n.N. mit kargem Bewuchs, in der Luft stehenden Wolken, urzeitlichen Gesteinslandschaften, Gebirgswasserfällen und Lamas am Straßenrand und endet 4000 Höhenmeter tiefer im Dschungel mit Bananen- und Mangobäumen, die sich unter der Last ihrer Früchte biegen. Die Reise führt einen durch die verschiedensten Vegetationszonen mit ihren fließenden Übergängen, vorbei an Brandrodungsflächen, Cocaplantagen, Wanderfeldbau, mehreren tausend Meter hohen und komplett in Primärwald getauchten Bergrücken und Wellblechhüttendörfern am Straßenrand. Die Straße wird nicht zu unrecht "camino de la muerte" (Weg des Todes) genannt: Jedes Jahr sterben hier hunderte Leute bei Auto- und Busunglücken, denn am Straßenrand geht es teils ohne Begrenzung einige hundert Meter in die Tiefe und dabei ist die unbefestigte, auch bei Nacht befahrene Straße so schmal, dass meist keine zwei Fahrzeuge passieren können (fürs bessere Rangieren am Abgrund herrscht hier teilweise Linksfahrgebot). Einen makaberen Anblick bieten die im Fluss, dem tiefsten Punkt der Straße, liegenden Autowracks.

In Rurrenabaque angekommen fühlt man sich wie in einem anderen Land: Die sonst höhenbedingt niedrige Luftfeuchtigkeit liegt hier bei fast 95% und das bei über 30 Grad im Schatten, die Hautfarbe der Einwohner ist weit dunkler als im Hochland (was z.T. an den im Zuge der Kolonialisierung hierher verschleppten Afrikanern liegt) und der Dschungel beginnt direkt hinter den letzten Strohhütten des Ortes. Nach drei Stunden im Jeep, während derer wir uns mit unserer Reisegruppe für die kommenden drei Tage, einem Paar aus Kanada, einem Paar aus den Niederlanden - beide auf einjähriger Weltreise - und zwei Israelis, angefreundet haben, erreichen wir zusammen mit unserem Führer Alex die Pampa; eine Landschaft, deren unterschiedliche Lebensräume diverse Tierarten beheimaten. So stellt der warme, schlammige Fluss die Lebensgrundlage für die zahlreichen Aligatoren, Kaimane, rosa Flussdelphine, Capiberas, Schildkröten, fischfressenden Vögel (z.B. Fischreier, Kormorane, Flamingos, aber auch Condore und Adler), Piranhas und andere Fischarten dar. In den ufernahen Bäumen schwingen sich Affen von Ast zu Ast und verstecken sich Faultiere. Die trockenen Grassteppen bieten vielen Insekten und Schlangenarten Unterschlupf und stellen außerdem ein gutes Jagdgebiet für Condor und Adler dar. Die Sumpfgebiete beherbergen eine Vielzahl verschiedener Amphibien- und Insektenarten, der unangefochtene Herrscher dieses Gebietes ist allerdings die bis zu 5 Meter lange Anakonda, die sich nicht nur unglaublich schnell und lautlos im Sumpfwasser fortbewegen kann, sondern darin auch fast unsichtbar wird. Der dreitägige Aufenthalt in der Pampa war, mit Bootstouren auf dem Fluss - während derer man in der Nacht eindrucksvoll die roten Reflexionen der Krokodilsaugen sieht, Piranhafischen und -essen, Schwimmen mit den rosa Flussdelphinen (deren Jagdtechnik stark der von Orkas ähnelt), "Schlangenjagd" im kniehohen Sumpf, Ruhephasen in der Hängematte, dem Gewecktwerden am Morgen durch das Gebrüll der Affenmännchen und einem Affenweibchen, das aus unserer Küche ein Ei geklaut hat, riesigen Kröten hinter den Hütten uvm. das Erlebnisreichste und Eindrucksvollste, was ich bisher in Bolivien in Erfahrung bringen durfte.



Unser vertrauenserweckender Reisebus

Die karge Landschaft der Hochebene
Verkauf von der Strasse ins Fenster einem Pflichthalt


Eines der Wellblechhüttendörfer am Strassenrand


Wanderfeldbau im Regenwald

Steile Abhänge am Strassenrand begleiten uns die gesamten 18 Stunden

Brandrodung
Der Strassenstaub macht sich gegen Ende der Reise deutlich bemerkbar

Das willkommene Gemeinschaftswaschbecken nach der Fahrt

Rurrenabaque
Ein Hauch von "Far Cry 2", Malariaprophylaxe
Anleger der Tourboote


Aligator am Flussufer
Schwimmen nahe den rosa Flussdelphinen



Ein Condor mit seiner beeindruckenden Flügelspannweite
Ein Falke auf der Lauer




Sonnenuntergang in der Pampa
Und der Sonnenaufgang
Unser "Zuhause" für drei Tage

Unser Bad
mit Affen, die sich gerne am Wasser bedienen




Wespennest im Wald

Anakonda im Sumpf
Sascha im Sumpf
Weit über faustgrosse Kröte

Meister der Tarnung



Mein erster gefangener Piranha
Unser Abendbrot




Abschiedsfoto der Tourgruppe